»Warum besitzen Sie eine Waffe?« Dieser Frage ist ein Fotograf aus Philadelphia nachgegangen. Kyle Cassidy (Jg. 1966) hat für sein Buch Waffenbesitzer:innen in den USA fotografiert und ihre Antworten zu den Bildern gestellt. Da sagt beispielsweise der Jugendliche Dan: »Ich halte Waffenbesitz nicht nur für ein Recht, sondern für die Pflicht eines Volkes sich selbst und künftigen Generationen gegenüber.« Oder eine junge Frau namens Ivy: »Es würde mir leichter fallen, eine Person zu erschießen, die in mein Haus eindringt, als ein Tier, in dessen Zuhause ich eingedrungen bin.«
48 % der Amerikaner besaßen laut einer aktuellen Erhebung in den USA mindestens eine Waffe (Statista, 25.11.25). Es wird vermutet, dass sich 400–500 Millionen Waffen in Privatbesitz befinden; auf dem Land wohl doppelt so viele wie in Städten. Zahlen, die für Europäer schwer bis gar nicht nachzuvollziehen sind und die uns jedes Mal in Rat- und Fassungslosigkeit versetzen, wenn in den Nachrichten über den jüngsten Schusswechsel in den USA berichtet wird.
Was also fasziniert die Amerikaner so an Waffen? Das wollte auch Kyle Cassidy wissen. Im Sommer 2006 packte der Fotograf seine beiden Kameras, vier Objektive und einen Koffer mit Klamotten in einen Jeep Cherokee. Er fuhr mit seinem Assistenten 15.000 Meilen durchs Land, weil er Waffenbesitzer:innen kennenlernen und fotografieren wollte – bei ihnen zu Hause, in ihren Wohnzimmern, Schlafzimmern, Küchen, mit Kindern, Hunden oder Katzen, Büchern, Möbeln und Dekorationen. Und mit ihren Waffen. Seine Recherchereise dauerte zwei Jahre.
Allen Fotografierten stellte Cassidy die gleiche Frage: »Warum besitzen Sie eine Waffe?« Die Antworten hat er nie gewertet, er hat nie diskutiert. Er hat Amerikas Waffenbesitzer:innen als so »normale« Menschen porträtiert, wie sie es sind. Vom Rechtsanwalt über den Polizisten bis zum Schriftsteller, Republikaner wie Demokraten, alte und junge Menschen, Männer, Frauen und Familien.
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»Why do you own a gun?« A photographer from Philadelphia set out to explore this question. Kyle Cassidy (b. 1966) photographed gun owners across the U.S. for his book and paired their answers with the images. For example, a young man named Dan says: »I consider gun ownership not only a right, but a duty of a people toward themselves and future generations.« Or a young woman named Ivy: »It would be easier for me to shoot a person who breaks into my house than an animal whose home I have invaded.«
So what is it about guns that fascinates Americans so much? That’s what Kyle Cassidy wanted to know. In the summer of 2006, the photographer packed his two cameras, four lenses, and a suitcase of clothes into a Jeep Cherokee. He drove 15,000 miles across the country with his assistant because he wanted to meet and photograph gun owners—in their homes, in their living rooms, bedrooms, and kitchens, with children, dogs, or cats, books, furniture and decorations. And with their guns. His research trip lasted two years.
Cassidy asked everyone he photographed the same question: »Why do you own a gun?« He never judged the answers, he never argued. He portrayed America’s gun owners as the »ordinary« people they are. From lawyers to police officers to writers, Republicans and Democrats, old and young people, men, women, and families.
Kyle Cassidy – Bewaffnetes Amerika | Armed America
Infos
Waffenbesitzer in ihrem Zuhause | Gun owners in their homes
Texte in Deutsch und Englisch
Übersetzung der Interviews: Nico Laubisch
19 x 14 cm, 128 Seiten, 60 Fotografien, Softcover mit Klappen
Fotograf
Kyle Cassidy (Jg. 1966) dokumentiert seit den 1990er-Jahren die amerikanische Kultur. Er hat Punks, Politiker:innen, Metalfans, Wissenschaftler:innen, Pflegepersonal, Ölarbeiter:innen und eine Vielzahl weiterer Menschen fotografiert, die die Welt interessanter machen – stets mit Mitgefühl und aufrichtiger Neugier. Seine Fotografien veröffentlicht er in Büchern sowie in Zeitungen und Magazinen (u. a. New York Times, Vanity Fair, Marie Claire, Time, Newsweek). Wenn er nicht für Fotoreisen unterwegs ist, fotografiert er gern die verschwindende Infrastruktur des Alltags.
Presse
»Wäre man nicht bereits durch den Titel des Buches für das Thema sensibilisiert worden – man hätte bei einigen Bildern erst auf den zweiten Blick erkannt, dass es um Schusswaffen geht. So harmonisch sind sie in das Leben der Porträtierten eingebettet. (…) Das Buch ›Bewaffnetes Amerika‹ zeigt insgesamt 100 Bilder, die gerade durch ihre Unaufdringlichkeit besonders bewegen. Die Fotos sind untertitelt mit der jeweiligen Antwort auf das ›Warum‹. Diese Begründungen, so verschieden sie sind, spiegeln die amerikanische Seele wider.«
(David Scherf, stern)
»Ähnlich wie bei guten Anti-Kriegsfilmen werden wohl sowohl Waffenfreaks als auch Waffengegner ihre Freude mit der großformatigen Bestandsaufnahme in Buchform haben. Kyle Cassidy erreicht damit genau den gewünschten Effekt, dass man diese Durchschnittsamerikaner als das sieht, was sie sind: keine Verrückten, keine Bösewichte, sondern einfach nur Menschen, die aus den verschiedensten Gründen Waffen besitzen und dazu stehen.«
(oe1.ORF)
»›Bewaffnetes Amerika‹ führt eindrücklich vor Augen, dass Waffenbesitz in den USA weder an die Ethnie noch an das soziale Milieu oder an eine bestimmte politische Überzeugung geknüpft ist, sondern dass es sich um ein Phänomen solch umfassender Verbreitung handelt, dass Versuche, es mittels äußerer Faktoren zu erklären, kaum zu aussagekräftigen Ergebnissen oder gar einer ›Zielgruppeneingrenzung‹ führen werden.«
(Micha Wischniewski, literaturkritik.de)
»Der Fotograph Kyle Cassidy hat für seinen Band ›Bewaffnetes Amerika. Waffenbesitzer und ihr Zuhause im Porträt‹ ins Herz der bewehrten Bürger gezielt. Und hat hundert Mal besser getroffen, als es die meisten gut gemeinten, anklagenden Essays über das waffenvernarrte Amerika vermögen. Aus den Bildern spricht die libidinöse, verspielte Normalität der Waffenkultur, nicht die groteske Gewaltanbetung aus den amerikanischen Action-Filmen und Kriegsepen.«
(Uwe Schmitt, Die Welt)
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