Alfred Kubin (1877–1959) war einer der wichtigsten österreichischen Künstler; er arbeitete als Grafiker, Schriftsteller und Illustrator. Jörg Schorn (Jg. 1966), ebenfalls Grafiker und Texter aus Österreich, hat sich intensiv mit Kubin beschäftigt und dessen Leben im Zeichenstil des Künstlers illustriert und biografisch beschrieben. Bild und Text gehen so aufeinander ein, dass Leser:innen einen perfekten Überblick über den Menschen Alfred Kubin und seine Werke erhalten. Schorn gelingt es, mit seiner »Biographic Novel« eine spannende, gut erzählte (und auch mal amüsante) Biografie eines großen Meisters zu erzählen.
Alfred Kubin wurde im böhmischen Leitmeritz als Sohn eines Landvermessers geboren. Die Mutter starb, als er zehn war; eine traumatische Erfahrung, die ihn sein Leben lang begleitete. Zwei Weltkriege, Krankheit, Tod, Trauer, Ängste, Depressionen, Albträume, Dämonen, Mystik – das waren seine Themen.
In der Schule tat sich Kubin schwer, es folgten privater Malunterricht in München, später ebenda ein abgebrochenes Malerei-Studium an der Königlichen Kunstakademie. Dennoch setzte er sich als Künstler durch, wenn auch nicht beständig mit finanziellem Erfolg. Er schuf um die 15.000 Grafiken, illustrierte rund 60 Bücher, unter anderem Texte von Fjodor Dostojewski, Edgar Allan Poe und Elias Canetti, verfasste selbst 1908 einen Roman mit dem Titel »Die andere Seite«. Kubin schrieb Tagebücher und wohl Tausende Briefe. Ab 1906 lebte er abgeschieden in Zwickledt und pflegte trotzdem Freundschaften, vor allem schriftlich. Aber auch einsame Zeiten, Schaffenskrisen, Krankheit und zahlreiche komplizierte Liebschaften bestimmten sein Leben. Im Nationalsozialismus war er Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste und nahm an Ausstellungen teil, seine frühen Arbeiten wurden jedoch als »entartet« aus zahlreichen Museen verbannt.
Aus dem Vorwort von Jörg Schorn:
»Wie damals Wassily Kandinsky oder Edvard Munch stehen wir noch heute seltsam berührt vor Kubins Blättern, vor allem vor seinem Frühwerk. Woran wir erkennen, dass wir mit dieser Regung nicht allein sind? Kubins Sujets geistern zahlreich durchs Internet. Als Postings auf Social Media, als Startbilder in Gothic- und Verschwörungs-Blogs. Drastische Illustrationen für drastischen Content. Und lassen Sie sich von der KI ein Bild »in the style of kubin« generieren, entstehen erstaunlich kubinesk anmutende Stimmungsbilder. Kubin würde das alles nicht gefallen. Fortschritt bedrohte ihn, Veränderung machte ihn nervös. Was ihn rettete, war Spiritualität.«
Jörg Schorn – Kubin. Von Anfang an gezeichnet
Infos
17 x 24 cm, 168 Seiten, ca. 150 Abbildungen, Fadenheftung, Hardcover
Illustrator/Autor
Jörg Schorn wurde 1966 in Klagenfurt geboren. Er studierte in Wien, wo er bis heute lebt und arbeitet, er hat vier Kinder. Begonnen hat Schorn als Karikaturist und Illustrator für Tageszeitungen und Magazine, arbeitete später als Texter und Kreativdirektor in verschiedenen Werbeagenturen. Heute ist er als freiberuflicher Autor und Grafiker tätig. Bei der Favoritenpresse hat der Österreicher bereits einen Bestseller veröffentlicht: »Der Struwweldonald. Nicht so lustige Geschichten«, in dem er sich Donald Trump mit sagenhaft bissigem Humor nähert. Schorn fertigt zudem Drahtskulpturen, mechanische Bilder, Radierungen, Collagen und natürlich immer wieder Zeichnungen und Illustrationen.
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