Der Berliner Illustrator Jakob Hinrichs hat sich intensiv mit der »Traumnovelle« von Arthur Schnitzler auseinandergesetzt und eine furiose Graphic Novel gestaltet: Hinrichs löst die erotische, geheimnisvolle Geschichte dafür aus ihrer Entstehungszeit. Er schafft Referenzen zur Gegenwart, zur Science-Fiction, aber auch zum Beginn des letzten Jahrhunderts. Schräge und seltsame Charaktere bevölkern sein Bilder-Buch, lediglich Fridolin und Albertine sind Menschen. Hinrichs’ Illustrationen, in denen die Grenzen von Traum und Realität verschwimmen, fangen die surreale Stimmung der beiden Protagonisten gekonnt ein. Der Künstler weicht dabei vom Originaltext ab und lässt seine Bilder wirken. Mit seiner Graphic Novel gelingt ihm eine Interpretation, die in einem Spannungsverhältnis zum Original steht und es trotzdem vollständig erzählt. Schnitzlers Originaltext befindet sich am Ende des Bandes.
Arthur Schnitzlers »Traumnovelle« erschien 1925 als Fortsetzung in der Zeitschrift »Die Dame«, 1926 dann als erstmals als Buch im S. Fischer Verlag. Hauptfiguren sind der Wiener Arzt Fridolin und seine Frau Albertine. Schnitzler erzählt von ihren sonderbaren und erotisch aufgeladenen Erlebnissen einer Nacht und dem folgenden Tag. Fridolin streift nachts ziellos durch Wien und erfährt zufällig von einem geheimen Maskenball, zu dem er in einem Mönchskostüm geht. Obwohl ihm eine maskierte Frau rät, zu verschwinden, bleibt er, denn das wilde und bizarre Treiben auf dem Ball fasziniert ihn. Er gerät in einen Strudel aus Erotik, Gefahr, Fantasie und Illusion. Auch seine Frau entdeckt in sich geheime Leidenschaften, die die beiden sich schließlich eingestehen. Fantastisch und traumhaft beschreibt Schnitzler die Entdeckung ihrer bisher verborgenen Begierden, die aus ihrem Unterbewusstsein hervortreten.
Sigmund Freud war damals von der »Traumnovelle« begeistert und schrieb dem Autor: »So habe ich den Eindruck gewonnen, dass Sie durch Intuition – eigentlich aber in Folge feiner Selbstwahrnehmung – alles das wissen, was ich in mühseliger Arbeit an anderen Menschen aufgedeckt habe.«
Stanley Kubrick ließ sich von Schnitzlers Buch zu seinem letzten Film inspirieren: »Eyes wide shut« – mit Nicole Kidman und Tom Cruise. Er ließ ihn im heutigem New York spielen und unterstrich damit die Zeitlosigkeit der Novelle.
Arthur Schnitzler/Jakob – Hinrichs Traumnovelle
Infos
17 x 23 cm, 160 Seiten, Fadenheftung, Klappenbroschur
Autor
Arthur Schnitzler (1862–1931) war ein Wiener Arzt, Erzähler und Dramatiker. Er schrieb Gedichte, Theaterstücke, Kurzromane für Zeitungen und Prosa. Schnitzler gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener Moderne. Zu seinen bekanntesten Werken gehören »Lieutenant Gustl«, »Fräulein Else«, »Reigen« und die »Traumnovelle«.
Illustrator
Jakob Hinrichs (Jg. 1977) ist ein Berliner Comiczeichner, Illustrator und Grafiker. Seine Zeichnungen erscheinen international in Zeitungen und Magazinen. Seine Graphic Novels »Traumnovelle« und »Hans Fallada – Der Trinker« wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Sein Band »Ick hau Dir uff’n Kopp bis de Läuse piepen. Berliner geflügelte Worte« ist inzwischen in 3. Auflage in der Favoritenpresse lieferbar, und 2026 ist seine »Berlin-Beschimpfung« (mit Björn Kuhligk) auch als Taschenbuch erschienen. 2024 wurde Hinrichs mit dem Hans-Meid-Preis ausgezeichnet!
Presse
»Hinrichs greift ebenfalls in ein klassisches Register, aber in was für eins! Seine Bilder zelebrieren eine einzige expressionistische Farben- und Formenpracht. (...) Hinrichs’ Traumnovelle gehört zu den großen Comic-Veröffentlichungen des Jahres: ein echtes Bildungserlebnis, ästhetische Erziehung für Auge und Verstand.«
(Frankfurter Rundschau)
»Sonderbar und erotisch.«
(Stern)
»Arthur Schnitzlers Traumnovelle (…) strahlt dank der kongenialen Zeichnungen des Berliners Jakob Hinrichs in bunten Farben.«
(ELLE)
»Der in Berlin lebende Zeichner und Illustrator Jakob Hinrichs hat … eine expressive Bilderwelt entworfen, eine farbige Bildwelt voller obskurer Gestalten und Figuren. (...) Die ›Traumnovelle‹ erscheint als Graphic Novel zusammen mit dem Originaltext – Leser können sich somit auf eine doppelte Lektüre freuen.«
(MDF Figaro)
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