Karikaturen sind trotz ihrer weiten Verbreitung und Popularität beim Publikum nur selten Gegenstand kunsthistorischer Analysen. Das wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts beklagt und daran hat sich bis heute nicht wirklich etwas geändert. Mit den Karikaturisten verhält es sich ähnlich, auch sie sind nur ausnahmsweise in den Fokus differenzierter Betrachtung geraten. Ach was – eigentlich so gut wie nie!
Beides möchte dieser Bildband nun ändern und zwar mit den Arbeiten eines ganz Großen dieses Fachs: Walter Trier. Dafür wurden einige seiner besten politischen Karikaturen aus allen Schaffensperioden zusammengetragen und auf ihren zeitgeschichtlichen Bezug zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hin untersucht.
Zugleich soll Trier mit dieser Zusammenstellung dem Vergessen entrissen werden, zu dem ihn die Nationalsozialisten einst verdammt haben. (Als Vertreter einer Zunft, die vorrangig dem Hohn und Spott verpflichtet ist, wurde der Karikaturist Walter Trier zum Opfer dieser sehr besonderen Kunst. Denn die herrschende Kaste fürchtet nichts mehr, als ins Lächerliche gezogen zu werden. Zwischen 1933 und 1945 hatte sie die Macht, unliebsame Gegner zu inhaftieren, zu vertreiben, umzubringen oder – wie im Fall von Walter Trier – aus dem kollektiven Gedächtnis zu streichen und vergessen zu machen.)
Anlässlich seines 75. Todestages ist es an der Zeit, den Karikaturisten Walter Trier wiederzuentdecken und zu versuchen, neben ihm auch gleich noch der historischen, deutschen Karikatur ein Denkmal zu errichten.
Walter Trier – Das politische Werk
Infos
Herausgegeben und kommentiert von Antje M. Warthorst unter Mitwirkung von Iris Haist, Sebastian Eckert, Siegfried Eckert, Hans Reimann, Ulrich Schnakenberg, Heike Stange und Michael Vollert
Programmatisches Vorwort von Christoph Studt
21 x 30 cm, 184 Seiten, ca. 170 Abb., gebunden
Autorin
Dr. Antje M. Warthorst (Jg. 1965) lebt in Konstanz. Sie studierte Kunstgeschichte und Archäologie, u. a. an der Pariser Universität Sorbonne, mit Schwerpunkt auf der Malerei der Frührenaissance. Mittlerweile gilt sie zusätzlich als die beste Kennerin der Arbeit von Walter Trier. Während ihrer Tätigkeit an den Staatlichen Museen zu Berlin war sie auf den vergessenen Künstler aufmerksam geworden und konnte 1999 eine erste Ausstellung realisieren. 2006 folgte eine umfangreiche Retrospektive im Wilhelm-Busch-Museum, Hannover. Das 2007 gegründete Walter-Trier-Archiv dient der Erforschung des Werkes von Walter Trier, der kritischen Grafik im Allgemeinen und des Grotesken Realismus im Besonderen. Außerdem unterstützt es private Forschungsarbeiten sowie diverse Großprojekte, etwa das von der Bundesregierung geförderte Online-Portal Europeana Collections 1914–18, Ausstellungen wie die des Jüdischen Museums in Wien zum Jüdischen Witz und Humor oder des Centre Pompidou in Paris zur Bühnendekoration der Neuen Sachlichkeit und kooperiert mit der Art Gallery of Ontario in Toronto, bei der Bearbeitung des Künstlernachlasses.
Gestaltung
Christin Albert
Presse
»Humor gegen Inhumanität: Warum Walter Trier, legendärer Cover-Gestalter von Erich Kästners Kinderromanen, als politischer Zeichner erst jetzt richtig zu entdecken ist. [...] Man lernt sehr viel aus Walter Triers politischem Werk. Das Buch ist eine Geschichtsstunde des 20. Jahrhunderts, ständig googelt man nach Debatten und Schlachten. Und ständig vermisst man einen Trier. Seine unbedingte Glücksbereitschaft. Seinen klaren Blick. Seine Menschlichkeit. Seinen moralischen Kompass. Beinahe jede Bombenlücke aus den großen Kriegen ist zugebaut. Eine der größten Wunden im deutschen Bewusstsein schwärt immer noch – die des messerscharf um sich blickenden Humoristen mit mitfühlendem Blick.«
(Elmar Krekeler, Welt am Sonntag)
«Bitte einen Preis verleihen! Diesen Wunsch, nein, diese Forderung möchte ich hiermit anlässlich einer Neuerscheinung erheben, einen doppelten sogar, einen für die Herausgeberin derselben, wie deren Verlag. Beide haben sich seit Jahren der Wiederbelebung des Werkes eines Künstlers, Grafikers, Illustratoren verschrieben, den wir alle, wirklich alle kennen, nämlich und vor allem als Illustrator der Kinderromane von Erich Kästner, den in 1890 in Prag geborenen und in Kanada 1951 gestorbenen Walter Trier.
Dass sein Schaffen weit über ›Emil und die Detektive‹ hinausreichte, zeigt nun der eindrucksvolle Bildband ›Walter Trier – Das politische Werk‹. Erschienen im Berliner Verlag Favoritenpresse, rückt das Buch Triers scharfzüngige und hellsichtige Karikaturen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Fokus.
Dieses Buch ist nicht nur ein visuell brillanter Bildband, sondern ein Meilenstein der kunsthistorischen Aufarbeitung, der Triers politischem Scharfsinn ein längst überfälliges Denkmal setzt. Absolut lesenswert!«
(Guenter G. Rodewald, Blog «Gedanken sind frei». Zur vollständigen Rezension)
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